PHILOSOPHIE2019-07-07T15:26:23+02:00

PHILOSOPHIE

Jürgen Angeler hat seine Maltechnik im Jahr 2015 entwickelt. Das geschah nach einem Prozess, in welchem er über eine Dekade lang verschiedene künstlerische Audrucksformen erprobte und philosophische Texte schrieb. Wichtige Erfahrungen machte er vor allem in der musikalischen Komposition bzw. Produktion sowie Fotografie. Seine Gemälde sind laut Eigendefinition ästhetisierte Gedanken und Emotionen, die er Schicht für Schicht auf die Bildoberfläche synchronisiert.

Der Weg, der zum Ansatz geführt hat, mit dem er seine Gemälde kreiert und welchen er in Workshops vermittelt, begann im Jahr 2002. Er führte eine intensive Auseinandersetzung mit musikalischen Werken in deren kompositorischen Strukturen und Arrangements. Er zerlegte diese Werke in einem meditativen Prozess bewusst mittels konzentrierter Wahrnehmung analytisch und imaginär in ihre einzelnen Noten und Klänge und führte sich diese reflektiert vor Augen.

Nach dieser Erfahrung begann Jürgen Angeler, selbst musikalische Kompositionen zu schreiben. Die psychologische Grundhaltung, sich in der künstlerischen und philosophischen Auseinandersetzung bewusst die eigenen Aspekte der Persönlichkeit visuell, textlich und auditiv vor Augen zu führen, um sich dabei ständig neu zu begegnen und anzuordnen ist eine essentielle Säule seiner Arbeit, welche er auch in der Malerei fortführt.

Eine tiefere und genauere Form der Wahrnehmung ist mit jeder künstlerischen Neuerfahrung für ihn greifbar und somit auch die Fähigkeit, psychologische Strukturen in deren Subtilität, deutlicher und schärfer sichtbar zu machen, um diese aus dem Unbewussten in das Bewusstsein zu transportieren. Es ist analog zum Individuationsprozess lt. Carl Gustav Jung zu verstehen. In seinen Workshops vermittelt Jürgen Angeler neben künstlerischen und maltechnischen Aspekten auch die genannten psychologischen und meditativen Fähigkeiten, welche zum Ausdruck der künstlerischen Spontanität, persönlichen Stärke und individuellen Handschrift genutzt werden.

Diese Abläufe setzt er im Farbschichtenaufbau seiner Malmethode um, die jedem, der damit arbeitet, die gleichen Selbsterfahrungen und inneren Neuanordnungen erlaubt. In den Bereichen Psychotherapie, Psychoanalytik und Intuitionstraining, ist seine Methode ein Mittel zur kreativen Begleitung in der Arbeit mit den Klienten.

Jürgen Angeler geht davon aus, dass  im Grundprinzip die Persönlichkeit jedes kreativen Menschen gleich strukturiert funktioniert. Die Intuition, Lebens- und Schaffenskraft, arbeitet bei jedem prinzipiell gleich. Die Persönlichkeit besteht, fernab ihrer ur-harmonischen, klaren und individuellen Existenz, zu einem gewissen Teil aus gedanklich konstruierten Programmen, die im Laufe des Lebens durch Erfahrungen und Geschehnisse selbst aufgebaut werden, gemäß man in der Lebensführung innere sowie äußere Reize wahrnimmt bzw. interpretiert. Diese Programme können die Kreativität entweder behindern oder, richtig kanalisiert, steigern. Die Übertragung der Gedankensysteme und Emotionen, die in bzw. hinter diesen Programmen stehen, auf die Kunstwerke, kann auch als Weg zur Verarbeitung sowie Rückkehr zur individuellen Klarheit und Substanz angewandt werden. In den Workshops wird bei Bedarf gemeinsam mit den Teilnehmern genau an diesen Punkten gearbeitet und das technische Werkzeug sowie psychologische Verständnis vermittelt, um die intuitiven Verarbeitungs- und Kreativitätsprozesse anzuregen und zu fördern.

Er arbeitet an einem Gesamtkunstwerk, in welchem er kontinuierlich und spontan die Essenzen und Kräfte seiner eigenen sichtbar gemachten Teilaspekte visualisiert bzw. umsetzt. Die entwickelten Malmethoden bestehen aus Rakel- und Spritztechniken, mit denen er bis heute über 2500 Kunstwerke geschaffen hat.


„17-449“, Acryl und Dispersion auf Karton, 30 x 40 cm, 2017

Bevor er im Jahr 2013 mit der Malerei begann, war für ihn das Schreiben die wichtigste persönliche Ausdrucksform. Hierdurch erhielt er viele Erkenntnisse, auf die seine heutige künstlerische Ausdrucksform gründet. Er schrieb über existentielle Philosophie und Psychologie – bis heute über 17.000 Seiten im A4-Format – und beschäftigte sich tiefgehend mit Kontemplation, Literatur und Soziologie. Beim Schreiben drückte er sich intensiv durch spontan in Worte gefasste Gedanken und Emotionen aus, eine Schulung der Intuition und des Ausdrucksvermögens, und schuf damit die Voraussetzungen für seine heutige Arbeit.

Jürgen Angeler ist Multiinstrumentalist. Zwischen 2007 und 2016 schrieb er über 85 musikalische Kompositionen, die er im Demo-Format produzierte. Aufführungen dieser Musik fanden auf Vernissagen statt und wurden in Avantgarde-Kurzfilmproduktionen verwendet. Eine Auswahl der Stücke ist hier zu hören.

Seine ersten Beteiligungen an Kunstausstellungen waren Fotografien von Architektur und Landschaft.

TECHNIK

Jürgen Angeler beschreibt seine Malmethode folgendermaßen:

Der Aufbau meiner Bilder geschieht fast immer in Schichten und ich folge dabei in der Farb- und Formenwahl ausschließlich meiner Intuiton. Die einzelnen Schichten bilden Farb- und Formkontraste und je mehr Schichten ich bei einem Bild verwende, desto mehr Tiefe bekommt es in der Regel. Bei meinen Bildern habe ich zu Beginn keine feste Vorstellungen, wie sie schlussendlich aussehen sollen, es kommt also das Prinzip der Informellen Malerei zutage. Auch lehne ich eine definierte „ideale Komposition“ ab und ersetze sie durch die spontane Freiheit meiner intuitiven Logik und Emotionen während der Entstehung der Bilder. Ich fertige die Werke hauptsächlich mit Rakeln und füge an den obersten Schichten oft Farbspritzer als markante Merkmale hinzu. Im gesamten Prozess lässt es sich nicht strikt kontrollieren, wie das Endergebnis schließlich aussehen wird und so können die Emotionen und der Geist möglichst frei und ungefiltert auf das Bild übertragen werden.

In meiner Technik werden auch Aspekte des Expressionismus sowie der Tiefenpsychologie angewandt: der Transport des Unbewussten in das Bewusstsein. Stark geprägt wurde dieser Prozess von den Psychologen Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. Sie blickten tief in die Seelen der Menschen und drückten das in ihren Schriften aus. Es wurde u. a. der Ansatz geschaffen, dass während des Träumens das Unbewusste frei und sichtbar wird. Dies versuchten auch die Maler ihrer Zeit, wie Schiele und Kokoschka, auszudrücken. Mit meiner Methode mache ich in der Abstrakten Malerei nichts anderes, jedoch gehe ich damit bewusst, wach und spontan in den Moment. Carl Gustav Jung prägte den Begriff „Individuationsprozess“, welcher die „dunkle“ bzw. „versteckte“ Seite des Menschen im Laufe der persönlichen Lebensentwicklung immer mehr in das Bewusstsein integriert. Das ist analog zu meiner Malerei zu verstehen – bei regelmäßiger Anwendung meiner Maltechnik werden die eigenen spontane und intuitive Kräfte immer weiter neu freigesetzt. Die Intuition, welche dabei immer mehr geschult und gestärkt wird, ist ein Weg zur „dunklen“ und „versteckten“ Seite der Seele – auch in einem gefühlten energetischen Bereich.

Es kommt also ein wesentlicher Aspekt zur Anwendung: Die Schöpfung aus dem Moment.

Das Bewusstsein ist im Normalfall die meiste Zeit mit etwas beschäftigt, das in der Vergangenheit oder Zukunft liegt. 5 Minuten vor oder nach einem Moment, sind bereits Vergangenheit und Zukunft.

Wenn dem Menschen tatsächlich der Moment an sich, diese unendlich kleine Millisekunde, bewusst ist und er diesen Moment immer wieder aufs Neue ohne hemmende Fokussierungen auf etwas anderes, in jeder Farbschicht auf das Bild synchronisiert, geschieht eine Befreiung und gleichzeitig Multiplizierung der persönlichen Ausdruckskraft.

Diesen Prozess lernte ich in der Meditation, dem Schreiben und der Kontemplation kennen, welche ich jahrelang betrieb.

Führt man den Ansatz weiter, so geschieht in der bewussten Wahrnehmung dieses Moments eine „Ent-Filterung“ der Interpretationen und Wahrnehmungen von Thematiken, die in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegen und die Erkenntnis des unmittelbaren Moments trüben. In diesem Zustand vollzieht sich eine innere Öffnung bis in die Feinmotorik des Körpers, also auch bis in die Hände, mit denen ich meine Gemälde schaffe. Die Hände und meine Seele werden „eins“ und die innere Klarheit wird mit meinen Emotionen verbunden und ausgedrückt.

Diese Millisekunde im Malprozess zu synchronisieren, ist ein essentieller Bestandteil in der Entstehung meiner Bilder. Der beschriebene Prozess kommt dabei ständig in Anwendung, z. B. wenn ich Farbspritzer auftrage, ein Prozess, der dem Abschießens eines Pfeils mit einem Bogen gleicht, wo das Innere freigesetzt, losgelassen und – auf dem Bild – sichtbar gemacht bzw. synchronisiert wird. Die bestmögliche Ausdruckskraft wird dann erreicht, wenn ich alles was gerade ist, durch mich hindurch fließen lasse.


„17-398“, Acryl und Dispersion auf Karton, 30 x 40 cm, 2017

WEITERE PSYCHOLOGISCHE ASPEKTE

Es wird in meinen Workshops dementsprechend zusätzlich zu meiner Maltechnik ein ein Intuitions-, Selbstwahrnehmungs- und Selbstbewusstseinstraining vermittelt, wo sich die Teilnehmer mit ihrem eigenen „Selbst“ verbinden können.

In dieser Verbindung haben wir alle Möglichkeiten damit, wer wir sind und was wir können. Wir begeben uns auf eine neue und tiefere schöpferische Ebene. Werden diese Momente im Leben ausgedehnt und zur Regelmäßigkeit, entsteht eine sehr große Kraft, Selbstverantwortung und Authentizität.

Wird der Moment tief und bewusst wahrgenommen und die eigenen freien Möglichkeiten werden greifbar, so wird die Sinnhaftigkeit von Interpretationen, Bewertungssystemen und Ideologien infrage gestellt. Diese Infragestellung löst Begrenzungen, die sich Menschen im Laufe ihres Lebens selbst machen, durch Einsicht, Emotion, Intuition und Kraft.

Man kann sich dabei fragen:

  • Wie sehe ich die Dinge ohne Filter? Das ist ein wesentlicher psychologischer Ansatz meiner Arbeit.
  • Wie sehe ich die Dinge intuitiv, wenn die Aufmerksamkeit in der momentanen, mich umgebenden Realität ist? In diesem Fall im Atelier oder Seminarraum, welcher die Dynamik der schöpferischen Ausdrucksform fördern kann.
  • Wie sehe ich die Dinge, wenn ich meine Gedanken selbstverantwortlich aussuche?

Der bewusste Moment, in dem die Intuition frei arbeitet, kann übrigens nicht negativ oder ungetrübt sein, weil dabei nur noch nicht bewertete und ungefilterte Logik sowie Wahrnehmung und Emotionen bleiben. Mein Ansatz in der Ausführung der Malerei geht nicht darum, etwas ausdrücken, das ich bewerte. Deshalb drücke ich keine Situationen, Thematiken oder die Realität aus, sondern in abstrakter Form ausschließlich die intuitiven Kräfte des jeweiligen Moments.

In weiterer Folge geht es um die Seele der Welt, darum, was über das Individuum hinausgeht und die Menschen – ohne Worte – wieder zusammenführt.

Meine Maltechnik stellt einen festen Arbeitsprozess dar, in dem der Farbschichtenaufbau fest konzipiert ist. Alle augenblicklichen Befindlichkeiten des Bewusstseins können, gefördert durch den Arbeitsprozess, auf die Bilder synchronisiert werden – transformiert in Ästhetik. Innerhalb dieses Konzepts sind unendlich viele Farb- und Formkombinationen in den jeweiligen Farbschichten und somit unendlich viele unterschiedliche Bilder möglich.