EINFÜHRUNG

Jürgen Angeler hat seine Maltechnik im Jahr 2015 entwickelt. Das geschah nach einem Prozess, in welchem er über eine Dekade lang verschiedene künstlerische Audrucksformen erprobte und philosophische Texte schrieb. Wichtige Erfahrungen machte er vor allem in der musikalischen Komposition bzw. Produktion sowie Fotografie. Seine Gemälde sind laut Eigendefinition ästhetisierte Gedanken und Emotionen, die er Schicht für Schicht auf die Bildoberfläche synchronisiert.

Der Weg, der zum Ansatz geführt hat, mit dem er seine Gemälde kreiert und welchen er in Workshops vermittelt, begann im Jahr 2002. Er führte eine intensive Auseinandersetzung mit musikalischen Werken in deren kompositorischen Strukturen und Arrangements. Er zerlegte diese Werke in einem meditativen Prozess bewusst mittels konzentrierter Wahrnehmung analytisch und imaginär in ihre einzelnen Noten und Klänge und führte sich diese reflektiert vor Augen.

Nach dieser Erfahrung begann Jürgen Angeler, selbst musikalische Kompositionen zu schreiben. Die psychologische Grundhaltung, sich in der künstlerischen und philosophischen Auseinandersetzung bewusst die eigenen Aspekte der Persönlichkeit visuell, textlich und auditiv vor Augen zu führen, um sich dabei ständig neu zu begegnen und anzuordnen ist eine essentielle Säule seiner Arbeit, welche er auch in der Malerei fortführt.

Eine tiefere und genauere Form der Wahrnehmung ist mit jeder künstlerischen Neuerfahrung für ihn greifbar und somit auch die Fähigkeit, psychologische Strukturen in deren Subtilität, deutlicher und schärfer sichtbar zu machen, um diese aus dem Unbewussten in das Bewusstsein zu transportieren. Es ist analog zum Individuationsprozess lt. Carl Gustav Jung zu verstehen. In seinen Workshops vermittelt Jürgen Angeler neben künstlerischen und maltechnischen Aspekten auch die genannten psychologischen und meditativen Fähigkeiten, welche zum Ausdruck der künstlerischen Spontanität, persönlichen Stärke und individuellen Handschrift genutzt werden.

Diese Abläufe setzt er im Farbschichtenaufbau seiner Malmethode um, die jedem, der damit arbeitet die gleichen Selbsterfahrungen und inneren Neuanordnungen erlaubt. In den Bereichen Psychotherapie, Psychoanalytik und Intuitionstraining, ist seine Methode ein Mittel zur kreativen Begleitung in der Arbeit mit den Klienten.

Jürgen Angeler geht davon aus, dass die Persönlichkeit jedes kreativen Menschen gleich strukturiert funktioniert. Die Intuition, Lebens- und Schaffenskraft, arbeitet bei jedem prinzipiell gleich. Die Persönlichkeit besteht, fernab ihrer ur-harmonischen, klaren und individuellen Substanz, zu einem gewissen Teil aus gedanklich konstruierten Programmen, die im Laufe des Lebens durch Erfahrungen und Geschehnisse selbst aufbaut werden, gemäß man in der Lebensführung innere sowie äußere Reize wahrnimmt bzw. interpretiert. Diese Programme können die Kreativität entweder behindern oder, richtig kanalisiert, sogar steigern. Die Übertragung der Gedankensysteme und Emotionen, die in bzw. hinter diesen Programmen stehen, auf die Kunstwerke, kann auch als Weg zur Verarbeitung sowie Rückkehr zur individuellen Klarheit und Substanz angewandt werden. In den Workshops wird bei Bedarf gemeinsam mit den Teilnehmern genau an diesen Punkten gearbeitet und das technische Werkzeug sowie psychologische Verständnis vermittelt, um die intuitiven Verarbeitungs- und Kreativitätsprozesse anzuregen und zu fördern.

Er arbeitet an einem Gesamtkunstwerk, in welchem er kontinuierlich in spontanen Synchronisationen die Essenzen und Kräfte seiner eigenen sichtbar gemachten Teilaspekte visualisiert bzw. umsetzt. Die entwickelte Malmethode ist eine Kombination aus einer Rakel- und Spritztechnik, mit der er bis heute über 2300 Kunstwerke geschaffen hat.


Beispiel der Malmethode: „17-449“ (Acryl und Dispersion auf Karton, 30 x 40 cm), 2017

Bevor er im Jahr 2013 mit der Malerei begann, war für ihn das Schreiben die wichtigste persönliche Ausdrucksform. Hierdurch erhielt er viele Erkenntnisse, auf die seine heutigen künstlerischen Ausdrucksformen gründet. Er schrieb über existentielle Philosophie und Psychologie – bis heute über 15.000 Seiten im A4-Format – und beschäftigte sich tiefgehend mit Meditation, Literatur und Soziologie. Beim Schreiben drückte er sich intensiv durch spontan in Worte gefasste Gedanken und Emotionen aus, eine Schulung der Intuition und des Ausdrucksvermögens und schuf damit die Voraussetzungen für seine heutige Arbeit.

Jürgen Angeler ist Multiinstrumentalist. Zwischen 2007 und 2016 schrieb er über 85 musikalische Kompositionen, die er im Demo-Format produzierte. Aufführungen dieser Musik fanden auf Vernissagen statt und wurden in Avantgarde-Kurzfilmproduktionen verwendet. Eine Auswahl der Stücke ist hier zu hören.

Seine ersten Beteiligungen an Kunstausstellungen waren Fotografien von Architektur und Landschaft.

 

TECHNIK

Jürgen Angeler beschreibt seine Malmethode folgendermaßen:

Der Aufbau meiner Bilder geschieht fast immer in Schichten und ich folge dabei in der Farb- und Formenwahl ausschließlich meiner Intuiton. Die einzelnen Schichten bilden Farb- und Formkontraste und je mehr Schichten ich bei einem Bild verwende, desto mehr Tiefe bekommt es in der Regel schlussendlich. Bei meinen Bildern habe ich zu Beginn keine feste Vorstellungen, wie sie schlussendlich aussehen sollen, es kommt also ein wesentliches Merkmal der informellen Malerei zutage. Auch lehne ich eine definierte „ideale Komposition“ ab und ersetze sie durch die spontane Freiheit meiner intuitiven Logik und Emotionen während der Entstehung der Bilder. Ich fertige die Werke hauptsächlich mit Rakeln und füge an den obersten Schichten oft Farbspritzer als markante Merkmale hinzu. Im gesamten Prozess lässt es sich nicht strikt kontrollieren, wie das Endergebnis schließlich aussehen wird und so können die Emotionen und der Geist möglichst unverkrampft, frei und ungefiltert auf das Bild übertragen werden.

In meiner Technik werden auch vorrangige Aspekte des Expressionismus sowie der Tiefenpsychologie angewandt: Der Transport des Unterbewusstseins in das Bewusstsein. Stark geprägt wurde dieser Prozess von den Psychologen Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. Sie blickten tief in die Seele der Menschen und drückten das in ihren Schriften aus. Freud vertrat den Ansatz, dass während des Träumens das Unterbewusstsein frei wird. Dies versuchten auch die Maler seiner Zeit, wie Schiele und Kokoschka, auszudrücken. Mit meiner Methode mache ich in der Abstrakten Kunst nichts anderes, jedoch gehe ich damit in den Moment – bewusst und wach. Carl Gustav Jung prägte den Begriff des Individuationsprozess, welcher die „dunkle“ bzw. „versteckte“ Seite des Menschen im Laufe der persönlichen Lebensentwicklung immer mehr in das Bewusstsein integriert. Auch das ist analog zu meiner Malerei zu verstehen – wird meine Technik regelmäßig angewandt, so werden spontane und intuitive Kräfte immer wieder neu freigesetzt. Die Intuition ist dabei ein Weg zur „dunklen“ und „versteckten“ Seite der Seele. Diese wird dabei immer mehr geschult und gestärkt.

Es kommt also ein wesentlicher Aspekt zur Anwendung: Die Schöpfung aus dem Moment.

Der Verstand ist die meiste Zeit damit beschäftigt, über etwas nachzudenken – meist über die Vergangenheit oder die Zukunft. 5 Minuten vor oder nach einem Moment, sind bereits Vergangenheit und Zukunft.

Wenn dem Menschen tatsächlich der Moment an sich, diese unendlich kleine Millisekunde, bewusst ist und er diesen Moment immer wieder aufs Neue in jeder Farbschicht auf das Bild synchronisiert, geschieht eine Befreiung der persönlichen Ausdruckskraft. Diesen Prozess lernte ich in der Meditation und Kontemplation kennen, welche ich jahrelang betrieb. Auch beim Schreiben habe ich diesen Vorgang intensiv geschult.

Führt man diesen Ansatz weiter, so geschieht in der bewussten Wahrnehmung dieses Moments eine „Ent-Filterung“ der Interpretation und Wahrnehmung von Thematiken, die in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegen, die also die Erkenntnis des unmittelbaren Moments trüben. In diesem freien Zustand vollzieht sich die Öffnung des inneren Seelen-Kanals bis in die Feinmotorik des Körpers, also auch der Hände, mit denen die Gemälde geschaffen werden. Dies erlaubt die ungetrübte Wirkungsweise der Intuition sowie der Ausdrucksweise. Die innere Klarheit des Moments wird mit den Emotionen verbunden.

Diese Millisekunde im Malprozess auszudrücken, ist essentieller Bestandteil der Entstehung meiner Bilder. Der beschriebene Prozess kommt dabei ständig in Anwendung, z. B. wenn ich Farbspritzer auftrage, ein Prozess, der dem Abschießens eines Pfeils mit einem Bogen gleicht, wo das Innere und die Intuition freigesetzt, losgelassen und – auf dem Bild – sichtbar gemacht werden. Diese Freiheit und Authentizität gelangt nicht nur in den Geist, sondern auch in den gesamten Körper. Sie wird dann erreicht, wenn ich alles was gerade ist, durch mich hindurch fließen lasse.


„17-398“, Acryl und Dispersion auf Papier, 30 x 40 cm, 2017

 

WEITERE PSYCHOLOGISCHE ASPEKTE

In meinen Workshops vermittle ich also nicht bloß meine Maltechnik, sondern auch ein Intuitions- und Selbstwahrnehmungs- und Selbstbewusstseinstraining, wo sich die Teilnehmer mit ihrem eigenen Selbst wieder verbinden können.

In diesen Momenten haben wir alle Möglichkeiten, damit, wer und wie wir sind und was wir können. Wir begeben uns auf eine neue, schöpferische Ebene. Werden diese Momente im Leben ausgedehnt und zur Regelmäßigkeit, entsteht eine sehr große Kraft, Energie, Selbstverantwortung und Authentizität.

Dabei wird deutlich, wie sehr ich im künstlerischen Prozess das Meditative, Kontemplative integriere und welche wichtige Säule es darstellt.

Wird also der Moment wahrgenommen, aktiv umgesetzt sowie gelebt und ist sich seiner freien Möglichkeiten bewusst, so wird zugleich die Sinnhaftigkeit von Interpretationen, Bewertungssystemen und Ideologien infrage gestellt. Diese Infragestellung ersetzt Begrenzungen, die sich Menschen im Leben selbst machen, durch Freiheit, Intuition und Kraft.

Man sollte sich dabei fragen:

  • Wie sehe ich die Dinge ohne Filter? Das ist der wesentliche psychologische Ansatz meiner Arbeit.
  • Wie sehe ich die Dinge intuitiv, wenn die Aufmerksamkeit in der momentanen, mich umgebenden Realität ist? In diesem Fall im Atelier oder Seminarraum, welcher die Dynamik der schöpferischen Ausdrucksform fördert.
  • Wie sehe ich die Dinge, wenn ich meine Gedanken selbstverantwortlich aussuche?

Der bewusste Moment in dem die reine Intuition arbeitet, kann übrigens nicht negativ sein, weil dabei nur noch das Bewusstsein, nicht bewertete und ungefilterte Logik sowie Wahrnehmung und Emotionen übrigbleiben. Mein Ansatz geht nicht darum, etwas ausdrücken, das ich bewerte. Deshalb drücke ich mit meiner Malerei keine Situationen, Thematiken oder die Realität aus, sondern in abstrakter Form ausschließlich die intuitiven Kräfte und Energien des jeweiligen Moments.

In weiterer Folge geht es um die Seele der Welt, das, was über das Individuum hinausgeht und die Menschen wieder zusammenführt.

Meine Maltechnik stellt einen festen Arbeitsprozess dar, welcher in der Funktionsweise des Farbschichtenaufbaus fest konzipiert ist und in dem alle augenblicklichen Beschaffenheiten und Befindlichkeiten des Bewusstseins, befreit und durch den Arbeitsprozess sowie durch meine Tätigkeit in den Workshops gefördert auf die Bilder synchronisiert werden können – transformiert in Ästhetik. Innerhalb dieser Konzipierung sind unendlich viele Farb- und Formkombinationen in den jeweiligen Schichten und somit unendlich viele unterschiedliche Bilder möglich.